Heinrich & Kunigunde

Die Sage von Heinrich und Kunigunde:

Jedes Jahr ertönt in Mehlem um 12:00 Uhr feierliches Glockengeläut; sogenanntes Bayern. Das Läuten geschieht zum Andenken geschieht zum Andenken es Mehlemer Bürgers Heinrich, der am Fastnachtdienstag mittags um 12:oo Uhr auf dem Rodderberg unschuldig gehängt wurde. Aus den Schriften des Historikers Dietrich Glauner 

(1868 - 1947) lässt sich lesen, dass dieser selbst alte Aufzeichnungen in die Hände bekommen hat, wo auf dies Ereignis Bezug genommen wurde.

 



Sage von Heinrich und Kunigunde:

"Im Jahre 1520, so berichtet die Sage, begleitete Heinrich seine Braut Kunigunde ein Stück durch den Wald. Kunigunde wollte Verwandte besuchen. Hiervon kehrte sie jedoch nicht zurück, kam auch nicht an ihrem Ziel an. Da man nirgendwo eine Spur von ihr fand beschuldigte man Heinrich des feigen Mordes an Kunigunde an. Es müssen fadenscheinige Gründe hier vorgelegen haben. Heinrich hatte zumindest viele Neider, die auch ein Auge auf Kunigunde hatten.
 

Heinrich war jedoch unschuldig angeklagt worden, denn seine Braut Kunigunde war im Wald von Räubern überfallen und festgehalten worden. Nach einigen Tagen konnte sie fliehen und traf am Gerichtstag in Mehlem ein. Sofort jagte ein Reiter zur Gerichts- und Richtstätte, um Heinrich zu retten. Obwohl er sein Pferd zu Tode ritt, konnte er die Vollstreckung des Urteils nicht mehr verhindern. Er kam zu spät!

 

Vor seinem Tode hatte Heinrich nochmals seine Unschuld beteuert und testamentarisch bestimmt, dass aus den Erträgen eines Weinberges, den er zu diesem Zweck der Gemeinde vermachte, an seinem Todestag, um die Stunde seines Todes für ihn geläutet werden soll.
 

Bis ins Jahr 1838 wurde das Geläut noch aus den Erträgen des Weinberges, der bis dahin dem damaligen Ortsvorsteher Bodenstaff gehörte, bezahlt. Als dieser den Weinberg an einen Kölner Bürger Namens Spitz verkaufen wollte, war die Dienstbarkeit nicht mehr aufzufinden. Dies lag jedoch daran, dass im damaligen Gemeindearchiv eine große Unordnung herrschte. Spitz konnte den Weinberg ohne die Verpflichtung kaufen. Ab diesem Zeitpunkt übernahmen Mehlemer Bürger freiwillig diese Tätigkeit.
 



Heute noch findet zur Zeit vom Geläut der Glocken eine Gedenkstunde am Heinrichsblick statt, die die St. Sebastianus Schützen Bruderschaft Mehlem ausrichtet. Bei Getränk und Imbiss versammeln sich Mehlemer Bürger und lauschen den Glocken. 

 

 

 

Hört, was geschah vor vielen hundert Jahren

Am Rhein, im Dorfe Mehlem, unweit Bonn,

Die Nachwelt möge hier erfahren, 

wie sichs geziemt, im schlichten Liederton.

 

Des reichen Amtmanns Tochter, Kunigunde,

Galt für die schönste Maid im Kölner Land,

Und schmucke Freier aus der weiten Runde

Bewarben sich um ihre Hand.

 

Doch hatte Gunda´s Herz schon längst gewählet:

An Heinrich knüpfte sie der Liebe Band.

Das gute Kind dem Vater nichts verhehlet,

Macht ihre Liebe offen ihm bekannt.

 

Der will das Pärchen vollends bald beglücken

Und trifft zur Hochzeitsfeier schon –

Die andern Freier seh´ns mit scheelen Blicken

Und ziehn neid- und ingrimmvoll davon.

 

Zur Hochzeit ferne Gäste einzuladen,

Will Kunigunde selbst zu diesen hin.

Der tat nicht wohl daran, der ihr geraten,

Daß durch den Kottenforst sie sollte ziehn.

 

Ach! In des bösen Waldes dunklen Schluchten

Verbarg sich manche Räuberschar,

Die schrecklich mordend ihre Beute suchten,

Dem Wanderer Unheil brachten und Gefahr.

Doch spricht zu ihrem Heinrich Kunigunde:

„Geleite mich für künft´gen Minnesold;

Mit unsern Engeln reisen wir im Bunde

Gefahrlos, wenn uns diese nah und hold.“

 

Am dritten Tag hat Heinrich ungestöret

Die Braut auch zu den Freunden hingebracht;

Drum schnellen Schrittes er zur Heimat kehret;

Die Einrichtung ihm süße Sorgen macht.

 

Weit durch den Kottenforst schon zieht der Frieden,

Der rüst’ge Bräut’gam unbekümmert fort;

Die Heimat winkt auf lichtem Berg dem Müden;

Schon sieht er manchem ihm bekannten Ort!

 

Als ihn ein schwacher jammerlaut erschrecket:

Ein blutend Weib am Boden sterbend liegt,

Nach ihm die Hand in Todesangst sie strecket,

Unkenntlich war zerschlagen ihr Gesicht.

 

Das schnelle Hülf im nächsten Dorf ihr werde,

Auf seinen Schultern er sie sorgsam trägt;

Doch als er rasten muß, oh weh! Zur Erde

Er staunend eine Leiche niederlegt.

 

Er bald schon vor des Dorfes Vorstand steht,

Anzeige machend. - Für den guten Willen

Wird schlechter Dank ihm – wie’s auch heut noch geht!

 

 

Verschmähte Freier seiner Kunigunde

Ihn selbst beschuld’gen dieser blut’gen Tat.

Gedung’ne Boten brachten gar die kunde,

Daß Heinrich seine Braut erschlagen hat.

 

Gefesselt wird nach Mehlem er geführet,

Mißhandelt unterwegs bis auf den Tod;

Die Rachesücht’gen seine Qual nicht rühret,

Sie lachen höhnisch auf des Biedern Not.

 

Die Menge tobt und rast, und Gundas Vater

Kennt nicht Gesetz noch recht in seiner Wut;

Stets ist der blinde Zorn ein schlechter Rater,

Und ungerecht ist immer was er tut.

 

Der Scheffen keiner lange sich bedenket:

„Zum Hofgericht mit ihm, dem Mörder, fort!“

Erst auf der leiter man die Gnad‘ ihm schenket,

Zum letztenmal zu reden noch ein Wort.

 

Sich zu verteid’gen darf er nicht mehr wagen;

Drum spricht er, seiner Unschuld sich bewußt:

„Laß meinen letzten Willen dir noch sagen,

Dir Scheffenrat, den du vollziehen mußt.“

 

Wird meiner Unschuld einstens sich bekunden,

So widme meiner Güter halben Teil

Zu ihrem Eigentume Kunigunden,

Die andre meiner Seelenheil!

 

Dafür in Mehlem soll, auf daß die Kinder

Und Kindeskinder wissen, was gescheh’n,

Ein Priester stets für mich, den armen Sünder,

Alljährlich in der heilgen Messe fleh’n.

Mit Glocken werde festlich dann geläutet,

Dem Glöckner spende man von meinem Wein;

Fragt dann ein Fremder je, was das bedeutet?

Dann sagt: „So läutet man UNSCHULD’GE ein!“

 

Kaum war das Wort UNSCHULD’GE ausgesprochen,

Als auch die Leiter unter ihm verschwand:

Des biedern Jünglings Auge war gebrochen,

Sein Geist entfloh hin in der Sel’gen Land.

 

Zurück kehrt Kunigunde; ihre Schmerzen, -

Wer mag sie kennen! – Ihre Qual und Not

Trieb sie ins Kloster mit gebroch’nem Herzen,

Auf Nonnenwert ereilte sie der Tod. –

 

Hört alljährlich man in Mehlem läuten, Noch

Als gelt’s ein Kirchweihfest, so klingt der Klang;

Fällt gleich der Jahr’stag in den Fastenzeiten,

Schallt dennoch froh der Glocken Hochgesang.

Heinrich und Kunigunde:
(Gedicht von Jacob Stang im Jahre 1841)

Dietrich Glauner:

Historiker und Bürger von Mehlem

(1868 - 1947)

©Urheberrecht 2023. Alle Rechte vorbehalten.

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.